Jaisalmer und die Wüste
- Kerstin Tscherpel
- 8. Nov. 2021
- 3 Min. Lesezeit
Am Rande der Wüste Thar liegt Jaisalmer, die goldene Stadt. Ihren Namen hat die Stadt von dem gelben Sandstein, in dem die Gebäude errichtet sind. Sehr eindrucksvoll ist das Fort, das über Jaisalmer thront.

In und um das Fort herum brodelt das Leben. Menschenmassen strömen in das Fort, vorbei an bunten Straßenständen, wo Händler ihre Waren feil bieten.
Mein blondes Töchterchen wird von den Indern gefragt, ob sie mit ihr ein Selfie machen dürfen und wir werden als Ausländer angesprochen, ob wir unser Geld nicht in dem einen oder anderen Laden ausgeben möchten.
Eine Schmuckhändlerin im Eingangsbereich verkauft German Silver. Diese Begrifflichkeit ist mir bis dato noch nicht unter gekommen. Als ich es später google, stellt sich heraus, dass es eine spezielle Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink handelt, die von zwei Deutschen entwickelt wurde und sehr korrosionsbeständig ist. Im Gegensatz zu dem, was der Name assoziiert, enthält diese Legierung kein Silber, aber dafür war das Fußkettchen, das sich meine Tochter ausgesucht hat, auch sehr günstig.
Nach diesem trubeligen Shoppingausflug erscheint die Stille der Wüste um so verführerischer.
Die Wüste Thar ist überraschend grün. Obwohl der Boden jetzt eindeutig sandig ist, wachsen kleine, grün beblätterte Bäume und Büsche in regelmäßigen Abständen durchsetzt von silbrig wirkenden Stauden.
Jetzt im November nach dem Monsun sind die Bäume und Büsche grün, aber im Mai, Juni, den beiden heißesten Monaten, tragen sie keine Blätter mehr.

Sanddünen, wie in der Sahara, sind eher eine Seltenheit.
Wir haben uns in ein Wüstencamp eingemietet mit traditionellem Programm inklusive Kamelritt in die Wüste. Nach unserer Ankunft beziehen wir unser Zelt, in dessen Mitte ein großes Bett thront. Erstaunlicherweise ist das Bett aus Stein. In dem Zelt gibt es einen kleinen abgetrennten Waschbereich mit Toilette, Waschbecken und Dusche und einen Eimer mit Schöpfbecher für die, die es ganz ursprünglich indisch wollen.
Nach einem belebenden, sehr süßem Chai warten die Kamele auf uns. Kamele sind beeindruckende Tiere. Nicht nur weil sie so groß sind, sondern weil sie diese stoische Gelassenheit besitzen, als könnte sie nichts aus der Ruhe bringen.
Ich besteige mit meinem kleinen Sohn eins der Tiere und fühle mich doch etwas unsicher, da es hinten nicht wirklich eine Möglichkeit zum Festhalten gibt. Der Kamelführer bringt das Tier durch Schnalzen zum Aufstehen. Zuerst erhebt das Kamel seine Hinterläufe und wir müssen uns gut festhalten, um nicht nach vorne überzufallen. Dann als es sich vorne auch erhoben hat, befinden wir uns in beängstigender Höhe, etwa zwei Metern über dem Erdboden. Nachdem mein Mann und meine beiden Großen ebenfalls ihre Kamele bestiegen haben, geht es im schaukelnden Passgang los Richtung Dünen und Sonnenuntergang. Der Sattel ist bequem und ich erinnere mich an meine Reitstunden. Aussitzen ist die Devise.
Wir sehen einzelne kleine indische Gazellen zwischen den Büschen und andere Kameltreiber. Diese treiben ihre Kamele in Flipflops zum Galopp und hüpfen dabei im Sattel auf und ab, was sehr lustig aussieht.
Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir die Dünen. Wir schießen ein paar Selfies mit den Kamelen, meiner heißt Carlos. Er nutzt seine Pause zum Wiederkäuen. Jedesmal wenn er eine neue Portion hochwürgt, hört es sich nach einer glucksenden Klospülung an. Mein Kleiner spielt mit einem großen, schwarzen Wüstenkäfer und meine beiden Großen drehen noch eine Extrarunde auf ihrem Kamel. Nachdem die Sonne als glutroter Ball am Horizont verschwunden ist, geht es gemächlichen Schrittes zurück zum Camp. Ich fühle mich gar nicht mehr unsicher und habe auch nicht mehr das Bedürfnis mich irgendwo festzuhalten. Was für ein schöner Ausflug.
Ein traditionelles indisches Abendessen mit Tanzdarbietung und Musik runden den Abend ab und ich gehe glücklich ins Bett.
Schade, dass wir nur eine Nacht gebucht haben.
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